Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Tracht geht zurück, und am Bienenstand wird es unruhig. Bienen drängeln sich an den Fluglöchern, es wird gekämpft, gewuselt, gestochen. Wer jetzt nicht genau hinschaut, riskiert den Verlust ganzer Völker.
Füttern und Räuberei – zwei eng verknüpfte Themen, die über den Wintererfolg entscheiden. In diesem Beitrag erfährst du, wie, wann und womit du deine Bienen füttern solltest, was es mit Räuberei auf sich hat, und wie du sie früh erkennst und effektiv vermeidest.
Warum müssen Bienen gefüttert werden?
Bienen leben von ihren Vorräten – und die reichen oft nicht bis ins Frühjahr. Besonders nach der Honigernte und in Jahren mit schlechter Tracht ist es lebenswichtig, dass der Imker rechtzeitig zufüttert. Denn wenn das Futter ausgeht, ist es zu spät.
Gute Gründe für die Fütterung:
- Auffüllen der Wintervorräte
- Aufbau von Jungvölkern und Ablegern
- Absicherung in Trachtlücken
- Vorbeugung gegen Räuberei
Regionale Besonderheit: Fütterung im Mühlviertel
Im Mühlviertel beginnt die Hauptfütterung idealerweise Mitte Juli – direkt nach der letzten Schleuderung. Warum so früh?
- Kurze Vegetationsperiode: Früh einsetzender Herbst
- Wenig Spättracht: Oft blüht kaum noch etwas ab August
- Waldtracht-Risiko: Wird im Spätsommer noch Honigtau eingetragen, kann das problematisch werden – Waldhonig eignet sich nicht gut als Winterfutter, da er schwer verdaulich ist und zu Durchfall führen kann.
Tipp: Fütterung bis spätestens Mitte September abschließen. Zwischendurch regelmäßig die Vorräte kontrollieren und auf unerwartete Tracht oder Honigtau-Eintrag achten.
Wann soll gefüttert werden?
Sommerfütterung
Direkt nach der letzten Honigernte oder bei Ablegern ab Juli. Kleine Einheiten können jetzt noch wachsen – vorausgesetzt, du unterstützt sie mit Futter.
Herbstfütterung
Hauptfütterung von Mitte Juli bis Mitte September. Bienen bauen in dieser Zeit noch Futterwaben auf, lagern Vorräte ein und bereiten sich auf den Winter vor.
Notfütterung
Wenn bei der Durchsicht akute Knappheit herrscht – etwa nach einem Kälteeinbruch oder bei unerwartetem Trachtausfall. Diese Fütterung erfolgt meist in kleineren Portionen, um Stress zu vermeiden.

Womit füttern?
Geeignete Futtermittel:
- Zuckerwasser: Mischung 3:2 oder 2:1, preiswert und gut verfügbar
- Invertzuckersirup: Bereits enzymatisch aufgespalten, einfach aufzunehmen
- Futterteig: Besonders im Spätherbst oder zur Notfütterung geeignet
Wichtig ist, dass das Futter leicht verfügbar, hygienisch und sicher lagerbar ist. Bei kalten Temperaturen wird flüssiges Futter schlechter aufgenommen – Futterteig ist dann die bessere Wahl.
Wie füttern?
Bewährte Methoden:
- Futtertasche oder Futterzarge: Direkt in der Beute, schützt vor Räuberei
- Folienbeutel mit kleinen Einschnitten: Günstig, sauber, bienenschonend
- Futtereimer mit Siebdeckel: Gut für größere Mengen oder mehrere Völker
Vermeide unbedingt:
- Offenes Füttern oder Kleckern
- Spätes Füttern bei Flugbetrieb
- Unsaubere Arbeitsweise, die Futtergeruch nach außen trägt
Räuberei – wenn Bienen andere Völker überfallen
Räuberei ist ein gefährliches Verhalten, bei dem Bienen eines Volkes in ein anderes eindringen, um dessen Vorräte zu stehlen. Das betroffene Volk ist oft geschwächt – durch Krankheit, schlechte Witterung oder fehlende Pflege.
Wird Räuberei nicht gestoppt, kann sie sich wie ein Lauffeuer über den ganzen Bienenstand ausbreiten.
Woran erkennst du Räuberei?
- Hektischer, wirrer Flug vor dem Flugloch
- Viele Bienen mit unruhigem Verhalten, Zickzack-Flug
- Kämpfe und tote Bienen am Flugloch
- Wachsreste oder zerrissene Zellwände auf dem Boden
- Völlig aufgerissene Futterwaben
Wie entsteht Räuberei?
Die häufigsten Auslöser:
- Füttern zur falschen Zeit – z. B. bei starkem Flugbetrieb
- Offene Futterquellen oder klebrige Rähmchen
- Schwache, ungeschützte Völker
- Lange Beutenöffnungen ohne Abwehrmöglichkeit
- Trachtlosigkeit: Wenn in der Natur kein Nektar mehr zu finden ist
Räuberei beginnt meist schleichend – mit einigen neugierigen Bienen. Wird nicht rechtzeitig eingegriffen, ist das betroffene Volk bald verloren.
Wie kannst du Räuberei verhindern?
Die wichtigsten Maßnahmen:
- Abends füttern, wenn der Flugbetrieb nachlässt.
- Fluglöcher verengen, besonders bei Ablegern oder schwachen Einheiten.
- Keine Futterreste hinterlassen – alles sauber halten.
- Nur kurz und gezielt öffnen, kein langes „Herumsuchen“.
- Völker gleichmäßig stark halten, keine extremen Unterschiede am Stand.
Was tun, wenn Räuberei begonnen hat?
Wenn du den Verdacht hast, dass Räuberei bereits im Gange ist, musst du schnell handeln:
Sofortmaßnahmen:
- Flugloch stark einengen oder notfalls ganz schließen (mit Belüftung)
- Betroffenes Volk abdecken, z. B. mit feuchtem Tuch
- Beute abdunkeln, das beruhigt die Bienen
- Futter entfernen, um die Reize zu reduzieren
- Geplünderte Völker notfalls umstellen oder vereinen
Nachsorge:
- Flugverhalten genau beobachten
- Andere Völker ebenfalls kontrollieren
- Keine weiteren Reize setzen (z. B. keine erneute Fütterung am gleichen Tag)

Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht
Bienen Fütterung und Räuberei gehören zu den wichtigsten Themen in der Spätsommerpflege. Wer gut vorbereitet ist, regelmäßig kontrolliert und sauber arbeitet, kann seine Völker sicher in den Winter bringen.
Besonders im Mühlviertel, wo Honigtau und Spätsommer-Tracht nur schwer kalkulierbar sind, gilt: Früh füttern, sauber arbeiten, aufmerksam bleiben.
Bonus: Deine Fütterungs-Checkliste
- Fütterung zwischen Mitte Juli und Mitte September abgeschlossen?
- Keine offenen Futterquellen am Stand?
- Fluglöcher bei Völkern verengt?
- Futtermenge ausreichend?
- Räuberei-Anzeichen regelmäßig kontrolliert?
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